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E3: 3DS: Iwata über Preis, Entwicklung und Technik

News vom 19-06-10
Uhrzeit: 14:58
Unsere Kollegen von GamesBeat konnten am Ende der E3 noch ein Interview mit Satoru Iwata, dem Präsidenten und CEO von Nintendo, führen. Dabei ließ er sich lange über die 3D-Geschichte von Nintendo aus, sprach über Zulieferer und vor allem auch über die im Nintendo 3DS verbaute Technik.
 
Lest im Folgenden das ganze Interview auf deutsch.
 
 
Herr Iwata, erzählen Sie uns bitte wie Nintendo den 3DS entwickelt hat.

Iwata: 3D ist nichts Neues für Nintendo. Wir haben uns dieser Herausforderung vor Jahren schon gestellt. Wie Sie wissen haben wir sogar schon vor 15 Jahren einen Versuch mit dem Virtual Boy gestartet, was leider nicht gut ging.

Vor 10 Jahren, als wir den Nintendo GameCube auf den Markt brachten war die 3D-Technologie in Form von "Parallax Barrier" (Anmerkung der Redaktion: Eine 3D-Technologie, bei der eine Schicht über dem Bildschirm die Hälfte der Pixel so abdeckt, dass die beiden Augen jeweils unterschiedliche Bilder sehen) schon verfügbar. Der GameCube konnte auch schon 3D-Bilder darstellen und bei Experimenten mit Luigi's Mansion erzielten wir auch beeindruckende Resultate. Doch als wir es vermarktungstechnisch betrachteten, erkannten wir das Problem, dass die passenden Fernseher fehlten. Für den Massenmarkt taugliche Fernseher zu einem vernünftigen Preis waren damals nicht billig. (Anmerkung der Redaktion: Zudem haben "Parallax Barrier" TVs das Problem, dass man nur aus einer bestimmten Position den 3D Effekt richtig wahrnehmen kann, sie sind also nicht alltagstauglich.)

Den nächsten Versuch starteten wir mit dem GameBoy Advance, dem wir natürlich einfach so ein 3D-Display verpassen hätten können. Den Prototy habe ich übrigens immer noch. Doch als wir die ersten 3D Bilder auf dem GBA sahen erkannten wir sofort, dass die grafischen Fähigkeiten des GBAs nicht ausreichten, um ein zufriedenstellendes Erlebnis zu erzielen. Zudem funktionierte das "Parallax Barrier" Display noch nicht so, wie wir uns das vorstellten. Also mussten wir das Vorhaben aufgeben, da es einfach nicht attraktiv genug für den Kunden gewesen wäre.

Als wir dann mit der Entwicklung des Nintendo DS begannen, dachten wir gar nicht an 3D. Einer der Gründe dafür waren sicherlich auch unsere misslungenen Experimente. Und da wir zwei Bildschirme einführten und davon einer sogar ein Touchscreen war, hatten wir das Gefühl, dass wir es uns nicht leisten könnten noch mehr Neues hinzuzufügen.

Aber als die Entwicklung des Nintendo DS vor sechs Jahren abgeschlossen war, begannen wir sofort mit der Entwicklung des Nachfolgers - dem Nintendo 3DS. Doch selbst bei diesem Gerät dachten wir nicht von Beginn an, an 3D. Unser erstes Ziel war es eigentlich die Fähigkeiten des DS ein wenig aufzupeppen. Vor zwei Jahren kam dann jemand mit der Idee an 3D in unseren neuen Handheld zu integrieren. Doch viele Leute standen der Idee skeptisch gegenüber. Tatsache war, dass wir mit unseren Experimenten schon viele Male gescheitert waren. Doch wir entschlossen uns trotzdem einen Versuch zu wagen. Und als die Entwickler die ersten Bilder sahen, änderten sie sofort ihre Meinung. Es war einfach super. Denn in drei sehr wichtigen Bereichen hat sich technologisch einiges getan. Erstens hatten wir früher nicht die Möglichkeiten eine hohe Auflösung in einen Handheld zu integrieren. Zweitens funktionierte einfach die "Parallax Barrier" Technologie noch nicht vollkommen. Und drittens hatten wir nun einfach mehr Rechenpower. Das alles führte dazu, dass sich das 3D Bild gegenüber unseren vorherigen Tests enorm verbesserte. Und auch Shigeru Miyamoto dachte das gleiche wie ich. Die Zeit war gekommen, für das erste richtige 3D-Videospielsystem.

Großes Glück für uns war dann auch der Film Avatar und sein fulminanter 3D-Erfolg, ein Jahr nachdem wir mit der Entwicklung des 3DS begonnen hatten. Und auch die TV-Hersteller entschieden sich 3D zum Aushängeschild ihrer neuesten Produkte zu machen, gerade als wir auf der E3 unser System vorstellen wollte. Das war großes Glück, denn zwei Jahre zuvor war es unmöglich solche Dinge vorherzusagen. Wenn man zurückschaut muss man sagen, dass all unsere Arbeit sich bezahlt gemacht hat. Mir unserem ganzen "Trial & Error" System konnten wir den Fortschritt sehr genau verfolgen und in etwa vorhersehen, wann diese 3D-Technologie ausgreift sein würde.

Wie zuversichtlich sind Sie, dass Sie ausreichend Komponenten der Zulieferer zur Verfügung haben werden?

Natürlich müssen wir die Zuliefererkapazitäten genau ermitteln und den Erscheinungstermin  des 3DS daran anpassen. Doch mein letzter Stand ist, dass alle terminlichen Unwägbarkeiten gelöst wurden.

Ich mag das Aussehen des 3DS. Aber eine Besorgnis habe ich und das ist der "Sweet Spot". (Anmerkung der Redaktion: Da der 3DS mit der "Parallax Barrier" Technik funktioniert muss man das Gesicht immer in einem bestimmten Bereich vor dem 3DS halten um einen optimalen 3D Effekt zu erfahren. Der "Sweet Spot" ist genau dieser Bereich und er lässt sich über den 3D-Tiefensensor am 3DS auch genau auf die eigenen Augen einstellen.) Ist das praktisch der Ausgleich dafür keine Brille zu benötigen?

Wir werden vom jetzigen Zeitpunkt bis zum Erscheinen des Geräts jetzt sicher keine keine Veränderungen an den Bildschirme mehr vornehmen. Zur Größe des "Sweet Spot" kann ich nur so viel sagen, dass wir bereits einige Experimente mit 3DS-Spielen durchgeführt haben und die Größe des "Sweet Spot" für uns deshalb im Bereich des Akzeptablen liegt.

Sie haben sich dafür entschieden viele weitere Verbesserungen durchzuführen. Es gibt verbesserte drahtlose Kommunikation, einen Beschleunigungs-, sowie einen Bewegungssenor, drei Kameras für 3D-Fotos und stärkere Grafikpower. Ist das ihre Antwort auf das iPhone und das iPad? Wollten Sie etwas besseres erschaffen als das iPhone?

(lacht) Ich benutze selbst gerne ein iPhone und einen iPod. Und ich dachte auch schon daran, was diese Geräte für uns als Konkurrenz bedeuten. Doch ich habe nie daran gedacht, als wir den 3DS entwickelten. Wenn jemand das als unsere Antwort auf das iPhone betrachten möchte, dann soll er das gerne tun. Es war zwar nicht unser Ziel, aber wenn das jemand tun möchte, dann ist das eben so. Wir versuchen auch nie in Maßstäben von konkurrierenden Firmen oder Produkten zu denken. Wenn man das tut, fokussiert man sich nur zu sehr auf einen beschränken Bereich. Doch wir sollten viel breiter denken. All das, was einen Spieler vom Spielen abhält und sein Interesse daran schmälert. All das sollte unsere Konkurrenz sein und wir sollten unsere Konkurrenz deshalb nicht nur als Apple, Sony oder Microsoft definieren. Wir sollten daran denken, welche Art von Erfahrung nur Nintendo anbieten kann und zwar nur Nintendo. Das Resultat dessen ist der Nintendo 3DS. Und wenn Sie sagen, es sei eine Antwort auf Apples Produkte, dann ist es auch etwas gegen den Rest der Konkurrenz.

Sind Sie besorgt darüber, was der Nintendo 3DS kosten wird? Darin sind so viele Dinge verbaut, die heute neu sind, so dass ich mich frage, ob Sie den 3DS eventuell über dem Preispunkt ihrer alten Handhelds positionieren müssen? Bisher waren Nintendos Produkte ja immer günstiger als die von Sony.

Ich muss davon absehen speziell über den Preis zu sprechen, doch was ich bestätigen kann ist das die Produktionskosten des 3DS heute über denen eines Nintendo DS liegen. Doch ich denke auch, dass unser Produkt jeden Cent der Produktionskosten wert ist. Und ich glaube nicht, dass wir den 3DS unter den Produktionskosten verkaufen müssen.

Denken Sie, dass diese Bildschirm-Technologie ohne Brille auch für große Fernseher benutzt werden kann?

Mit der "Parallax Barrier" Technologie muss die Folie einen bestimmten Abstand zum Bild haben. Zudem benötigt man einen bestimmten Blickwinkel um den 3D-Effekt voll zu erfahren. Als Techniker kann ich mir zwar vorstellen, dass jemand einen 3D-TV erfindet, der keine Brillen erfordert. Aber mit dem heutigen Wissen kann man sagen, dass es nicht gut funktionieren wird. Deshalb bräuchten wir hier eine neue Erfindung. Und wenn Sie mich nach dieser fragen muss ich leider sagen, dass ich keine Idee dafür habe.

Vielen Dank für dieses Interview, Herr Iwata.
 
Quelle: Klick

Nintendo DS - "Nintendo 3DS"-Screenshot
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Nintendo DS - "Nintendo 3DS"-Screenshot
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Nintendo DS - "Nintendo 3DS"-Screenshot
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 Autor:
Frank Ziegler 
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